Minecraft-Server selbst hosten (und wann sich das Panel mehr lohnt)
Stand: 12. August 2026 · Anleitung · VPS · Gameserver
Ein Minecraft-Server braucht drei Dinge: Java in der richtigen Version, RAM nach Spielerzahl, einen offenen Port. Der Rest ist schnell erledigt.
Java installieren
sudo apt update sudo apt install openjdk-21-jre-headless
Java 21 passt zu aktuellen Minecraft-Versionen (ab 1.20.5), ältere Server-Versionen wollen teils Java 17 — welche Version zu welchem Release gehört, steht auf der offiziellen Minecraft-Downloadseite.
Server-Dateien
Ein eigenes Verzeichnis anlegen, die Server-JAR hineinlegen (vanilla von minecraft.net, oder Paper/Purpur für bessere Performance und Plugin-Unterstützung) und einmal starten:
mkdir ~/mc && cd ~/mc java -Xmx4G -Xms2G -jar server.jar nogui
Der erste Start bricht ab und verlangt die Zustimmung zur EULA. In der neu entstandenen eula.txt eula=true eintragen, dann den Befehl von oben noch einmal ausführen.
Port freigeben, dauerhaft laufen lassen
sudo ufw allow 25565/tcp
Damit der Server einen Neustart des VPS übersteht, gehört er in einen systemd-Dienst statt in eine offene SSH-Sitzung. Sonst stirbt er in dem Moment, in dem die Verbindung abreißt.
Wo es unbequem wird
Plugin-Updates von Hand einspielen, RAM nachjustieren, wenn es ruckelt, Backups selbst timen, und stürzt der Server um drei Uhr nachts ab, hilft nur SSH und Log-Lesen. Genau an dem Punkt nimmt das eigene Gameserver-Panel die Arbeit ab: Mods und Plugins per Klick, automatische Backups, Neustart über das Web-Interface, kein SSH nötig. Details und Preise: /gameserver.
Der systemd-Dienst, ausgeschrieben
Ohne diesen Schritt ist der Server nach jedem Neustart des VPS weg. Die Unit gehört nach /etc/systemd/system/minecraft.service:
[Unit] Description=Minecraft Server After=network.target [Service] User=<benutzername> WorkingDirectory=/home/<benutzername>/mc ExecStart=/usr/bin/java -Xms2G -Xmx4G -jar server.jar nogui Restart=on-failure RestartSec=10 [Install] WantedBy=multi-user.target
sudo systemctl daemon-reload sudo systemctl enable --now minecraft sudo journalctl -u minecraft -f
Restart=on-failure ist der Teil, der nachts zählt: stürzt der Server ab, startet systemd ihn nach zehn Sekunden neu, statt dass die Welt bis zum nächsten Morgen offline bleibt.
Wie viel RAM wirklich — und warum -Xms dazugehört
Die beiden Java-Angaben tun Unterschiedliches: -Xmx ist die Obergrenze, -Xms der beim Start reservierte Speicher. Beide zu setzen ist kein Ritual. Steht -Xms zu niedrig, vergrößert Java den Speicher während des Betriebs immer wieder, und genau diese Vergrößerungen sind spürbare Ruckler.
Als Anhaltspunkt: Vanilla oder Paper für eine kleine Runde kommt mit 2 bis 4 GB aus, ein mittleres Modpack eher mit 6 bis 8 GB, große Packs mit mehr. Wichtig ist die Reserve — -Xmx darf nicht dem gesamten Arbeitsspeicher des Servers entsprechen, weil Betriebssystem und Java selbst außerhalb dieses Werts noch Speicher brauchen. Auf einem 8-GB-VPS ist -Xmx6G eine vernünftige Obergrenze, nicht -Xmx8G.
Die Einstellungen, die tatsächlich etwas ändern
In der server.properties stehen ein paar Werte, die mehr bewirken als alle anderen zusammen. view-distance ist der wichtigste: er bestimmt, wie viele Kartenbereiche der Server je Spieler berechnet, und geht quadratisch ein. Von 10 auf 8 zu gehen spart spürbar Last, ohne dass es im Spiel jemandem auffällt. simulation-distance steuert getrennt davon, wie weit Kreaturen und Maschinen wirklich arbeiten.
view-distance=8 simulation-distance=6 max-players=10 online-mode=true
online-mode gehört auf true. Steht es auf false, prüft der Server keine Konten mehr — dann kann sich jeder unter jedem Namen verbinden, auch unter dem eines Administrators.
Backups, die es wirklich gibt
Ein Backup, das man vorhat, ist keins. Ein einzelner cron-Eintrag genügt für den Anfang und packt die Welt jede Nacht weg:
0 4 * * * tar -czf /home/<benutzername>/backups/welt-$(date +\%F).tar.gz -C /home/<benutzername>/mc world
Dazu gehört zweierlei, das gern vergessen wird: alte Archive irgendwann löschen, sonst läuft die Platte voll — und einmal ausprobieren, ob sich ein Backup überhaupt zurückspielen lässt. Ein nie getestetes Backup ist eine Vermutung.
Selbst hosten oder Panel: die ehrliche Abwägung
Selbst hosten lohnt sich, wenn du ohnehin einen VPS betreibst, mehrere Dienste darauf laufen lässt und dich der Umgang mit systemd und Logs nicht stört. Du hast dann volle Kontrolle und zahlst nur den Server.
Der fertige Gameserver nimmt dir genau die Teile ab, die oben Arbeit machen: Serversoftware und Version wechselst du im Kontrollpult statt per Datei-Tausch, Backups laufen automatisch, Neustart und Konsole liegen im Browser, die Firewall-Freigabe entfällt. Der Unterschied ist nicht Leistung, sondern Zuständigkeit — und das ist vielen den Aufpreis wert, sobald der erste nächtliche Absturz ohne SSH-Zugang passiert ist.
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